Konjunkturtrend Energieanlagenbau 2019: Märkte bleiben volatil mit einigen Highlights

Innio Jenbacher GmbH & Co OG

Der Fachverband Power Systems im VDMA hat heute auf der Hannover Messe die Ergebnisse der Mitgliederumfrage „Konjunkturtrend Energieanlagenbau 2019“ vorgestellt.

•    Positiver Trend für Motorenanlagen und Speichertechnologien
•    Gemischtes Bild bei thermischen Kraftwerken und Zurückhaltung bei der Wasserkraft
•    Energieanlagen müssen schneller genehmigt werden
•    Dringender Handlungsbedarf in der Windenergie


Frankfurt / Hannover, 1. April 2019 – Der Fachverband Power Systems im VDMA hat heute auf der Hannover Messe die Ergebnisse der Mitgliederumfrage „Konjunkturtrend Energieanlagenbau 2019“ vorgestellt. „Die Märkte bleiben weiterhin volatil - in Teilindustrien des Energieanlagenbaus gibt es aber Highlights“, sagte Matthias Zelinger, Geschäftsführer VDMA Power Systems, auf der Pressekonferenz. Die Umfrageergebnisse machen folgende Veränderungen in den Bereichen deutlich:


Thermische Kraftwerke und Industriekraftwerke: leicht positive Entwicklung
Bei den thermischen Großkraftwerken gibt es einen leichten positiven Trend außerhalb Europas. Im Bereich der Industriekraftwerke besteht laut Umfrage eine positive Entwicklung außerhalb Deutschlands mit einem Hoch in Asien. Es handelt sich vor allem um Ersatzanlagen.

„Es gibt einen generellen Trend zu dezentralen und erneuerbaren Erzeugungstechnologien. Im Heimatmarkt stehen wir - trotz einiger kritischer Aspekte - insgesamt hinter dem Kompromiss der Kohlekommission in Deutschland“, kommentierte Rainer Kiechl, Stellvertretender Vorsitzender VDMA Power Systems und Executive Vice President Mitsubishi Hitachi Power Systems Europe, die Umfrageergebnisse. Um die Transformation des Energiesystems zu einem von Erneuerbaren Energien dominierten System mit ausreichend gesicherter Leistung zu gewährleisten, fordert VDMA Power Systems die Umsetzung der Empfehlungen der Kohle-Kommission als Gesamtpaket, so dass der Energiemarkt Klarheit für zukünftige Investitionen erhält.

Grundsätzlich muss Versorgungssicherheit technologieneutral gewährleistet werden. Neben Erneuerbaren Energien-Kapazitäten sowie Effizienz- und Lastflexibilität (auch durch Speicher) werden zusätzliche Gaskapazitäten benötigt. „Die Vereinfachung der Genehmigung von Gaskraftwerken muss schnell umgesetzt werden. Zu prüfen ist, ob man nicht generell zukunftsfähige Anlagen mit einer solchen Priorität versieht. Gleichzeitig wird wohl ein zusätzliches Marktinstrument für gesicherte Leistung gestaltet werden müssen, denn bisher sehen wir nicht, dass rein aus dem Strommarkt motivierte Projekte entstehen,“ sagte Kiechl. Darüber hinaus muss die Verlängerung des KWK-Gesetzes bestätigt werden, um die Effizienz auch in der Wärmeversorgung zu sichern und auch hier gesicherte Leistung im System zu haben.


Motorenanlagen: positive Marktentwicklung hält an
Die positive Marktentwicklung der Motorenanlagen setzt sich fort und hat sich global sogar noch verstärkt. Es zeichnet sich eine deutliche Verbesserung in Nord- und Südamerika, aber auch in Afrika ab. „Hohe Effizienz, hohe Flexibilität und Modularität passen hervorragend zum Energiesystem der Zukunft“, sagte Kiechl.


Zurückhaltung bei der Wasserkraft
In Europa gibt es weiterhin keine Impulse, Nord- und Südamerika bleiben weiter schwach und Afrika bleibt schwierig. Südamerika leidet immer noch unter der Schwäche Brasiliens, und Nordamerika bleibt wegen der Schiefergas-Entwicklung auf einem niedrigen Strompreisniveau.
 

Windenergie – dringender Handlungsbedarf in Deutschland
Bei der Windenergie an Land ist ein positiver Trend in Europa (außer Deutschland), Nordamerika, Asien und Afrika zu erkennen. Für einen erfolgreichen weiteren Ausbau der Windenergie an Land in Deutschland braucht es jetzt einen gesellschaftlichen Konsens für mehr Ausbau, um die breit getragenen Klimaziele zu erreichen und Leitmarkt zu bleiben. Vereinfachte Genehmigungen, eine ausgeglichene Betrachtung des Naturschutzes, klare Ziele für die Flächenbereitstellung durch die Bundesländer und auch für die Beteiligung von Kommunen am Ertrag lokaler Windenergieprojekte.

Im Bereich der Windenergie auf See wird der Konjunkturtrend für Europa, Amerika und Asien ebenfalls positiv bewertet. Um die Technologieführerschaft des Anlagenbaus in Deutschland zu erhalten und um die deutschen Klimaziele bis 2030 zu erreichen, muss jetzt dringend die Festlegung und Ausschreibung eines Offshore-Ausbauvolumens erfolgen.

„Noch in diesem Jahr muss ein Aktionsplan Windenergie aufgesetzt werden – nur so kann die Projektierungstätigkeit der Unternehmen wieder angestoßen werden. Die Beschreibung der zukünftigen Ausbaupfade wird Herstellern und Zulieferern eine bessere Perspektive geben“, sagte VDMA Power Systems-Geschäftsführer Zelinger.


Positiver Trend bei Speichertechnologien
Die Umfrageergebnisse zeigen, dass der positive Trend bei den Speichern (ohne Pumpspeicher) anhält, obwohl sich Geschäftserwartungen für große Netzspeicher zuletzt deutlich eingetrübt haben.

„Mit der Zunahme Erneuerbarer Energien wächst die Bedeutung von Energiespeichern. Insbesondere die Einstufung von Energiespeichern als „Letztverbraucher“ belastet Speicherbetreiber jedoch mit Entgelten und Abgaben. Um deren wirtschaftlichen Betrieb sicherzustellen, muss die Neu-Definition von Energiespeichern zügig umgesetzt werden“, kommentierte Kiechl.


Reform der Steuern, Abgaben und Umlagen
Investitionen in Klimaschutz und Sektorkopplung (inklusive Power-to-X) werden erst dann erfolgen, wenn ein relevanter Zertifikatepreis im Emissionshandel kalkulierbar wird. Aus diesem Grund fordert VDMA Power Systems für den Energiesektor einen Mindestpreis für ETS-Zertifikate. Ein zukunftsfähiges Energiesystem braucht eine emissionsorientierte Reform der Steuern, Abgaben und Umlagen. Es wäre konsequent, die System- und Umbaukosten emissionsorientiert auf alle Energieträger umzulegen. Dabei ist nicht die Form des Energieträgers, sondern die Höhe der Emissionen bei der Herstellung oder Nutzung entscheidend.


VDMA begrüßt Klimaschutzgesetz
Grundsätzlich begrüßt der VDMA die Bemühungen um verlässliche Vorgaben für Klimaschutz in Deutschland, um die Lücke bei den Klimaschutzzielen zu schließen. „Feste Sektorziele passen jedoch nicht zu einem zusammenwachsenden Energiesystem – auch sind Sofortprogramme und Sechsmonatshorizonte Gift für vernünftige Investitionsentscheidungen. Die Diskussion über eine europäisch eingebettete, klimaorientierte Reform der Rahmenbedingungen insbesondere der Steuern und Abgaben muss endlich beginnen,“ forderte Matthias Zelinger.


Energiesystem der Zukunft auf der Leitmesse „Integrated Energy“
In einem zunehmend dezentralen Energiemarkt sind innovative Technologien notwendig, die das Stromsystem flexibler machen, Sektoren intelligent koppeln und neue Marktteilnehmer einbinden. Auf der „Integrated Energy“, der internationalen Leitmesse für integrierte Energiesysteme für Industrie, Wärme und Mobilität, treffen vom 1.-5. April Akteure auf Lösungsanbieter und Entscheider aus Politik und Wirtschaft und diskutieren, wie die Energiewende gelingen kann.


Pressekontakt
Beatrix Fontius, Tel. +49 69 6603 1886, beatrix.fontius@vdma.org

Downloads