Stellungnahme zum Entwurf eines Gesetzes zur zügigen und sicheren Integration steuerbarer Verbrauchseinrichtungen in die Elektrizitätsverteilernetze (SteuVerG)

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Stellungnahme der Fachverbände Power System und Automation + Management für Haus + Gebäude zum Entwurf eines Gesetzes zur zügigen und sicheren Integration steuerbarer Verbrauchseinrichtungen in die Elektrizitätsverteilernetze (SteuVerG).

Wir begrüßen das Konzept, steuerbare Verbrauchseinrichtungen effizient in das Energiesystem zu integrieren. Eine der wesentlichen Aufgaben der Gebäudeautomation ist es, unterschiedliche technische Systeme in Gebäuden zu koordinieren, um energieeffiziente Gebäude für den Nutzer bereitzuhalten. Ein internes Energiemanagement misst, bewertet und optimiert hierbei die Energieströme verschiedener relevanter Medien in Gebäuden. Hierbei stellt das interne Energiemanagement sicher, dass mittels interner Spitzenglättung die mit dem Netzbetreiber vereinbarten bzw. vorgegebenen Rahmenbedingungen eingehalten werden. Mit Einführung von bedingten und unbedingten Anschlussleistungen entstehen für das interne Energiemanagementsystem einer Gebäudeautomation in kommerziellen Gebäuden mehr Möglichkeiten, den Gebäudebetrieb effizienter zu machen.
 

EnWG §14a Absatz 9
Grundsätzlich möchten wir vorschlagen, dass auch Gebäudeautomationssysteme mit internem Energiemanagementsystem als steuerbare Verbrauchseinrichtung stellvertretend für alle darüber gesteuerten Verbrauchseinrichtungen eingestuft werden. Hierdurch müssen die in einer Gebäudeautomation zusammengefassten technische Systeme nicht einzeln angesteuert werden. Trotzdem könnte die vereinbarte unbedingte Anschlussleistung reguliert werden.
Da, nach Absatz (9), der Anschlussnehmer im Verhältnis zum Netzbetreiber verpflichtet ist, die Kosten für die Herstellung der Steuerbarkeit der steuerbaren Verbrauchseinrichtung innerhalb seiner elektrischen Anlage, einschließlich der in Absatz 6 und 7 genannten technischen Einrichtungen, zu tragen, sollte die technische Ausführung (Gebäudeautomation, Energiemanagementsystem, Steuerbox etc.) in der Verantwortung des Anschlussnehmers liegen. Hier sollte die Verantwortungsgrenze nach dem SMGW gezogen werden (Netzbetreiber/Messstellenbetreiber bis einschließlich SMGW, danach der Anschlussnehmer).
 

MsBG §3 Absatz 2a
Die Umsetzung der Steuerungsvorgaben durch berechtigte Marktakteure und deren Priorisierung durch das lokale Energiemanagementsystem im Gebäude bzw. in der Liegenschaft muss die individuelle Anlagencharakteristik und -konstellation berücksichtigen, um einen optimalen und schadenfreien Betrieb der Anlagen sicherzustellen. Die Erfüllung der vom Smart-Meter-Gateway übermittelten Steuerungsvorgaben liegt beim Energiemanagementsystem des Anlagenbetreibers, der damit auch die Verantwortung zur Umsetzung der Steuerungsvorgaben übernimmt.
Da die Kosten für die Steuerungstechnik beim Anschlussnehmer bzw. Anlagenbetreiber liegen, sollte die Verfügung über die Steuerungstechnik und Umsetzung der Steuerungsvorgaben allein dort liegen.
Der Text für MsbG §3 Absatz 2a sollte daher folgendermaßen ergänzt werden (in rot):
„2a. sichere und diskriminierungsfreie Übermittlung der Steuerungsvorgabe eines berechtigten Marktakteurs über das Smart-Meter-Gateway an die seitens des Anschlussnehmers vorhandene Steuerungstechnik zwecks Umsetzung der Steuerungsvorgaben, wobei einer Steuerungsvorgabe des Netzbetreibers Vorrang einzuräumen ist,“.
 

BMWi-Begründung (S.32)
Einen weiteren Kommentar möchten wir zur BMWi-Begründung (S.32) abgeben. Hier heißt es:
„…Nicht unter die Regelung fallen somit auch Photovoltaik-/Heimspeicherkombinationen, die zwar Elektrizität in das Netz einspeisen und insofern an das Netz angeschlossen sind, bei denen aber die Entnahme von Elektrizität technisch ausgeschlossen ist…“
Leider entnehmen diese Photovoltaik-Heimspeicher zu Zeiten sehr geringer PV-Einspeisung (z. B. im Winter bei Schneelast auf den Solarmodulen) ihre Erhaltungsladung doch aus dem Netz. Dies ist zum Beispiel konform dem FNN-Speicherhinweis („Anschluss und Betrieb von Speichern am Niederspannungsnetz“ von 04/2019). und der neuen VDE-AR-N 4100. Außerdem sollten auch alle Speicher für Unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV), wenn Sie nicht noch anderen Zwecken dienen, ausgenommen werden.
Deshalb sollte der neue EnWG §3 Nummer 30a Steuerbare Verbrauchseinrichtung ergänzt werden (in rot):
„Ladepunkte für Elektromobile, Wärmepumpen, Nachtspeicherheizungen und Anlagen zur Speicherung elektrischer Energie mit einer Bemessungsleistung über 3,7 Kilowatt, die an ein Elektrizitätsversorgungsnetz der allgemeinen Versorgung angeschlossen sind und hieraus Elektrizität entnehmen können, mit Ausnahme von Speichern mit dem wesentlichen Zweck der Eigenversorgung oder der Notstromversorgung, die jeweils zwecks Erhaltungsladung nicht mehr als 3,7 Kilowatt aus dem Netz der öffentlichen Energieversorgung entnehmen.

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